Konservative und neoliberale Politiker im Verein mit nahestehende Medien blasen zum
Halali
Die Jagd auf SPD und Kurt Beck
ist dort angelangt, wo jegliche Glaubwürdigkeit aufhört
Die schon borniert wirkenden täglichen Kommentare aus konservativen und
neoliberalen politischen Kreisen im Verein mit leicht zuzuordnenden Medien
ufern aus. Wozu die Treibjagd? Ist Angst die treibende Kraft? Es wirkt wie das
berühmte "Pfeifen im Walde". Was damit gemeint ist, beschreibt Wikipedia
so: "Das
Pfeifen im Walde ist eine metaphorische Redewendung, die ein bestimmtes
menschliches Verhaltensmuster in bedrohlichen Situationen beschreibt."
Ist das die Erklärung für das Dauerfeuer auf die SPD, ihren Vorsitzenden
Kurt Beck und auch gegen "Die Linke"? Letztere ist nicht Gegenstand unserer
Betrachtung; sie ist aber auch ablenkendes Subjekt des täglichen medialen
Untergangsszenarios. Man könnte auf Grund der Schreibmenge und -dichte fast den
Eindruck gewinnen, dass in Deutschland nur noch eine Partei existiert, die SPD.
Der Vorstand des SPD-OV Tawern hat sich im Mitgliederbrief 3/2008 mit dem Thema auseinandergesetzt und einen Erklärungsversuch unternommen. Dass hierbei auch ein am 15. August 2008 im Deutschlandfunk ausgesendeter Text zum gleichen Thema aufgefangen wurde, war rein zufällig. Zur Einleitung des Themas geben wir zunächst mit freundlicher Genehmigung der Chefredaktion der Ostsee-Zeitung den Kommentar ihres stellvertretenden Chefredakteurs, THORALF CLEVEN, wieder:
Heuchler - CDU und FDP gegen
Ypsilanti
Von THORALF CLEVEN
Es ist schon rührend, welche Sorgen sich die Granden von CDU und FDP
derzeit um die SPD machen. Sie treibe durch den Linkskurs der hessischen
Landeschefin Ypsilanti in unkalkulierbare Abenteuer, heißt es. Oder: Die SPD
lande bei Wahlen künftig immer hinter den Linken. Oder: Beck, Steinmeier,
Steinbrück – alles Schlappschwänze. Dabei steckt hinter
diesen Sorgen der
Konservativen und Liberalen die nackte Angst. Nämlich, dass sich in deutschen
Parlamenten auf Dauer eine linke Mehrheit von Grünen, Linkspartei und SPD
etablieren könnte. Da ist was dran. Deshalb wird wieder munter das Gespenst
des Kommunismus zum Leben erweckt – im Westen mag das noch den einen oder
anderen braven Bürger verschrecken. Im Osten schon lange nicht mehr. Ironie
der Geschichte: In Hessen erlebte der eingefahrene bundesdeutsche
Politikbetrieb 1985 bereits einmal eine Zäsur – mit der ersten
Regierungsbeteiligung der Grünen auf Länderebene. Schon damals warnten
Christdemokraten und Liberale vor dem Untergang des Abendlands. Er kam nicht.
CDU und FDP heucheln. Sie werfen Ypsilanti Wählerbetrug vor – sperrten sich
aber selbst gegen ein mögliches eigenes Bündnis mit der SPD. Auch dies
missachtet den Wählerwillen. So ist es nur konsequent, dass die SPD aus der
Blockade ausbricht. Und davon abgesehen: Der Plan, in Wiesbaden mehr als ein
halbes Jahr nach der Wahl endlich eine handlungsfähige Regierung zu bilden,
ist doch aller Ehren wert.
Übereinstimmungen mit dem Inhalt unseres hier nachfolgend wiedergegebenen SPD-Mitgliederbriefes sind rein zufällig.
Liebe Genossin, lieber Genosse,
„Links“ steht für Hölle und Untergang in Deutschland, wenn man die
aktuelle Medienlawine gegen SPD, Linke und Grüne verfolgt. Die Pofallas, die
Kochs, die Westerwelles und weiteren Schwarzgestrichenen, glauben allen Ernstes,
die Bürger dieses Landes mit dem Gedankengut infizieren zu können, „Links“
bedeute den Niedergang der Republik. Diese Herrschaften mussten aber schon 2005
die Erkenntnis hinnehmen, dass „Links“ mit links die Bundestagswahl gewonnen
hätte, wenn es nicht zur Absplitterung durch die WASG, also früherer
SPD-Anhänger, gekommen wäre. Wenn es auch nicht immer deutlich wird, „Links“
steht doch eher für soziale Gerechtigkeit, als die den neoliberalen Kreisen
zuzuordnende Leitlinie, „Wenn sich jeder selbst hilft, dann ist allen geholfen“.
Es ist in Wahrheit die nackte Befürchtung dieser Kreise, dass es zu einer
Bündelung linker Kräfte in Deutschland kommt. Wie groß muss die Angst
konservativer und neoliberaler Bewahrer sein und für wie dumm werden wir
eingeschätzt und eingeordnet, dass die Zeitungs- und Medienhanswürste in
Deutschland mit Dauerfeuer die Angst schüren, es könnte im Land zu einem
politischen Zusammenwirken der Linken kommen.
Ganz unschuldig sind die Sozen an dem Trommelfeuer nicht. Im Trierischen Volksfreund vom Mittwoch, 13. August 2008 beschrieb es der SPD-nahe Parteienforscher Franz Walter mit der Bemerkung: „Die SPD ist ohne Überzeugungskraft“ und meint damit den ängstlichen und als unentschlossen wirkenden Zwiespalt innerhalb der SPD. Der vielfältige Chor von Besserwissern in der SPD - sie nennen sich neue Mitte, links der CDU - ist schuld, dass unsere Partei zur Zeit eine offene Flanke zeigt.
Mit gemischten Gefühlen und viel Unverständnis verfolgen die Bürgerinnen und Bürger, besonders die Rheinland-Pfälzer, die Hatz gegen Kurt Beck. Was ist denn so gefährlich an diesem Mann, fragen sich viele. Alles ist recht, um den SPD-Vorsitzenden und rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten madig zu schreiben. Abgeleitet aus der Kampagne gegen den früheren Bundestrainer Berti Vogts, dem damals von den Medien in gleich boshafter Weise zugesetzt wurde, kann man in der treffenden Überlieferung den Namen von Vogts gegen Beck austauschen und schon wird der Rudeljournalismus deutlich: „Wenn Kurt Beck zu Fuß über das Wasser des Rheines ginge, würde in den Zeitungen stehen, dass er nicht einmal schwimmen könne.“ Noch vor einem Jahr schrieb Bernd Ulrich, anerkannte Fachgröße unter Deutschlands Journalisten in der Wochenzeitung DIE ZEIT, dass es „nicht zum Nachteil der kleinen Leute“ in unserem Land sei, wenn Beck denn tatsächlich Kanzler würde.
Wo liegen denn nun die Gründe für das versuchte Kaputtschreiben der SPD
und ihres Vorsitzenden? Kurt Beck hat eine „Todsünde“ begangen! Mit seiner und
von der SPD geforderten Einführung des Mindestlohnes im Land hat er bestimmten
Kreisen direkt ins profitable Geschäft gefunkt. Besonders den großen
Zeitungsverlagen ist er wegen des bereits gesetzlich vereinbarten Mindestlohnes
für die Branche Briefzustelldienste in die Quere gekommen. Deren neue und auf
Billiglöhnen basierende Geschäftsfelder hat er empfindlich getroffen, was ihm
die Herrscher über die Volksmeinung sehr krumm genommen haben. An dem von
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse so benannten „Rudeljournalismus“
beteiligen sich leider auch die Journalisten und Redakteure unserer
Regionalzeitung; der TV gehört nun mal zur Großverlagsgruppe Holtzbrinck. Bei
der täglichen Lektüre dieses Blattes kommt der Verdacht auf, dass die Zeitung in
ihrem Berliner Büro einen Anti-Beck und Anti-SPD-Beauftragten installiert hat.
Gemeint ist hier in letzter Zeit der Reporter Stefan Vetter. dessen Kommentare
und Berichte schon den Eindruck von Ergüssen vermitteln.
Ein
weiterer Angriffspunkt gegen Kurt Beck ist die Vorstellung, dieser spiele mit
der Option einer vereinigten Linken. Hierin liegt wohl der Grund, der ihn noch mehr
zur Zielscheibe der Angstpresse macht. Die Angst der konservativen und
neoliberalen Kreise drückt sich besonders darin aus, dass Kommunismusangst im
Zusammenhang mit SPD und Linke wieder instrumentalisiert wird. So darf man
getrost die großpolitische Wetterlage verstehen; viele sehen es leider auf Grund
der Medienkampagnen anders.
Warten wir doch einfach den Tag der Bundestagswahl 2009 ab. Die Wählerinnen und Wähler haben bereits 2005 gezeigt, dass sie die falschen Propheten zu erkennen vermögen.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Egon Sommer, OV-Vorsitzender
gez. Yvonne Mich, stv. OV-Vorsitzende