Der Pendler Leid ist der Politiker Pflicht
Vertreter der SPD
und ihrer luxemburgischen Schwesterpartei LSAP*) sprachen über die aktuelle
Verkehrsproblematik im Raum Saar-Obermosel und Grevenmacher/Lux.
Dass im deutsch-luxemburgischen Raum der Obermosel die
Verkehrsbewältigung seit vielen Jahren klemmt, kennt niemand besser als tausende
von Berufspendlern die tagtäglich morgens aus Deutschland zu ihrer Arbeitsstelle
nach Luxemburg fahren und abends das gleiche Stressererlebnis über sich
ergehen lassen müssen. Täglich genervt sind insbesondere auch die Bewohner der
Gemeinden Temmels und Oberbillig auf deutscher Seite und der Stadt Grevenmacher/Lux., die in gleicher
Weise durch die Verkehrslawine belastet werden. Den Königsweg zur Lösung des
Verkehrsproblems wird es wohl nie für alle geben können. Die tangierten
Gemeinden im grenznahen Raum müssten jedoch auf die forcierte Entwicklung des
Bahnverkehrs und des Ausbaues der ÖPNV-Linien bauen können.
Deutsch-luxemburgischer Dialog
Gemeinsame Interessen ausloten und formulieren war Tenor der
Veranstaltung im Rathaus zu Grevenmacher am 27.11.2008, zu der sich Partei- und
Kommunalpolitiker von beiderseits der Mosel getroffen hatten. Nicolas Schmit,
Minister Delegate of Foreign Affairs and Immigration, Jacques Haas (1.
Schöffe Grevenmacher) Mathias Clemens (Gemeinderatsmitglied Grevenmacher)
Gust Stefanetti (Bürgermeister Mertert/Wasserbillig, Marielle
Oberweis (1. Schöffin Mertert/Wasserbillig), Jérôme Laurent
(Gemeinderatsmitglied Mertert/Wasserbillig),
Marc Thiltgen (LSAP Bezirkssekretär), Metti Scholtes (LSAP-Präsident
Grevenmacher) Erwin Kalmes (LSAP Grevenmacher) sowie weitere Vertreter
der LSAP-Sektionen Grevenmacher und Wasserbillig bildeten die luxemburgische
Delegation. Auf deutscher Seite nahmen der Landtagsabgeordnete der betroffenen
Region Saar und Obermosel Alfons Maximini, der stv. Vorsitzende des
Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Landtages Rheinland-Pfalz und
verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Manfred Nink, der
SPD-Fraktionsvorsitzende im Verbandsgemeinderat Konz Lothar Rommelfanger,
der Ortsbürgermeister der Gemeinde Temmels Joachim Mimler sowie der
Vorsitzende des SPD-Gemeindeverbandes Konz Egon Sommer teil.
Problem nur binational
lösbar
Die Verkehrsbrennpunkte beiderseits der Mosel zum Grenzübergang
Wellen-Grevenmacher sowie Ansätze zur Entschärfung der Situation sowohl für die
leidgeprüften Anwohner als auch für die geplagten Automobilisten standen im
Mittelpunkt des Dialogs. Die seit vielen Jahren angespannte Verkehrslage an der
Obermosel mit steigender Tendenz ist nicht erst seit gestern Gegenstand von
Überlegungen eines weiteren Brückenschlages in Höhe der Autobahnauf- und abfahrt
Wasserbillig über den Hafen Mertert auf die deutsche Seite nahe Temmels zur B
419. Die Willensbildung für ein Gemeinschaftsprojekt „zweite Moselbrücke“
dümpelt seit Jahren und wird insbesondere durch das Thema „Moselaufstieg“
zwischen Wasserliesch und Igel-Zewen gern in den Hintergrund gedrängt. Einig war
man sich auf beiden Seiten, dass, unabhängig von einem derzeit eher
unrealistischen und bestenfalls in ferner Zukunft realisierbaren Moselaufstieg,
ein weiterer Moselübergang eine notwendige Alternative sei. Für
dieses binationale Projekt sprächen neben der infrastrukturellen Wirkung
besonders die Kostenteilung zwischen Luxemburg und Deutschland und die mögliche
Bezuschussung des grenzüberschreitenden Brückenbauwerkes durch die EU. Weil für
die Bürger der Stadt Grevenmacher/Lux. auch durch die bevorstehende Erneuerung der bestehenden Brücke
Grevenmacher-Wellen keine Lösung des täglichen Stauhorrors erreicht werde, stehe
man hier uneingeschränkt hinter dem Plan für einen zweiten Moselübergang, so die
Standpunkte der Luxemburger. Gleiches gelte auch für Temmels, so
Ortsbürgermeister Mimler, dessen Gemeinde sowohl durch die Verkehrsbelastung auf
der den Ort zerschneidenden B 419 als auch mit der alltäglich über viele Stunden
rollenden Blechlawine auf der L 136 aus und in Richtung Tawern geplagt sei.
Nur Dreischrittlösung kann
das Verkehrsproblem auflösen
Dass die Problemlösung des bis 2020 prognostizierten Verkehrszuwachses
in der Grenzregion nicht durch Individualverkehr allein bewältigt werden dürfe,
sei ökologisch und ökonomisch dringendstes Gebot, thematisierte Manfred Nink
weiter die künftige Entwicklung im deutsch-luxemburgischen Raum. So sei der
Bahnverkehr zwischen beiden Ländern in den Fokus der Verkehrsplaner gerückt und
werde zielstrebig fortentwickelt. Auch die weitere Förderung und der Ausbau des
grenzüberschreitenden ÖPNV gehöre zu den wichtigen Anliegen. In Fortbetrachtung
der grenznahen Situation bestehe weiterer Handlungsbedarf auch in der Anbindung
des Wirtschafts- und Verwaltungszentrums „Kirchberg“ der Stadt Luxemburg. Eine
möglichst umsteige- und verzögerungsfreie Verkehrsverbindung habe hohe Priorität
auf luxemburgischer Seite, so Minister Schmit. Zur Steigerung der
Anziehungskraft des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs müsse aber zwischen den
nationalen Bahngesellschaften über Taktverbindungen und auch über die derzeit
wenig förderlichen Fahrpreisunterschiede und die Anpassung der
Zeitfahrkartensysteme verhandelt werden. Einigkeit herrschte auch darüber, durch
den Ausbau von Park & Ride Systemen die Potenziale sowohl des Bahnverkehrs als
auch die der Buslinien auszuschöpfen. Viele Lösungsmöglichkeiten gäbe es; sie
scheiterten oft am fehlenden gemeinschaftlichen Umsetzungswillen. Letzterem
entgegen zu wirken, sei Sinn des Treffens und sollte künftig weitergeführt
werden. Die politische Willensbildung grenzüberschreitend zu fördern und zu
verstärken sei der richtige Weg, fasste Alfons Maximini abschließend aus
deutscher Sicht zusammen. Großes Interesse an weiterer Zusammenarbeit äußerte
Staatsminister Nicolas Schmit in Form einer Einladung an die deutsche
Delegation, als Gäste am nächsten LSAP-Parteitag in Junglinster zu Beginn des
Jahres 2009
teilzunehmen. Manfred Nink sprach seitens der deutschen Delegation die Einladung
zu der am 18. Dezember 2008 in Trier stattfindenden Verkehrskonferenz der SPD
aus.

Teilnehmer des Treffens in Grevenmacher v.l.n.r.: Metti
Scholtes, LSAP-Präsident Grevenmacher - Egon Sommer, SPD-GemV Konz - Joachim
Mimler, Ortsbürgermeister Temmels - Lothar Rommelfanger,
SPD-Fraktionsvorsitzender VG-Rat Konz, MdL Manfred Nink - MdL Alfons Maximini -
Staatsminister Nicolas Schmit - Marielle Oberweis, 1. Schöffin Mertert/
Wasserbillig - Erwin Kalmes, Sekretär LSAP Grevenmacher - Gust Stefanetti,
Bürgermeister Mertert/ Wasserbillig - Jacques Haas(sitzend), 1. Schöffe Grevenmacher -
Marc Thiltgen LSAP Bezirkssekretär Osten - Jérôme Laurent, Gemeinderatsmitglied
Mertert/Wasserbillig - Mathias Clemens, Gemeinderatsmitglied Grevenmacher. Foto:
Jos Schröder
Weitere Denkmodelle mit Aussicht auf
Realisierung?
Das wird sich zeigen, wenn der politische Wille der Bevölkerung
in der betroffenen Region sich durchsetzt. Dies gilt besonders dann, wenn
Vernunft und nicht purer Protagonismus hinter einer Idee erkennbar ist.
Bestehende Denkmodelle gleichzeitig mit oder nach Schaffung eines zweiten
Moselüberganges zwischen Grevenmacher und Wasserbillig zur der auf deutscher
Seite verlaufenden B 419 - mit direkter Anbindung zur Autobahn - könnten
gegebenenfalls weitere sinnvolle Maßnahmen folgen lassen. Es sind Ideen, die
Geld kosten, die aber gemessen an den Kosten für den von CDU und FDP
favorisierten "Moselaufstieg" als sogenannte Peanuts bezeichnet werden dürften;
z.B. Neutrassierung der L136 oberhalb von Temmels und eine sog. Troglösung für
die Ortsdurchfahrt Oberbillig (B 419).
Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich schlicht und einfach darüber im Klaren
sein, dass letztlich nur politische Mehrheiten entscheiden, wohin der Weg führt.
Besonders in den Räten der Gemeinden im betroffenen Obermoselraum und im
Verbandsgemeinderat Konz sind die politischen Mehrheitverhältnisse eher
geeignet, Vorstellungen der beschrieben Art zu verhindern. Die Bürgerinnen und
Bürger müssen auch wissen, dass den derzeit mehrheitsbildenden Fraktionen aus
CDU, FDP und teils auch FWG im VG-Rat Konz nichts anderes einfiel als eine
Resolution gegen eine zweite Moselbrücke in die Welt zu setzen. SPD und Grüne
lehnten die Resolution mit der in diesem Beitrag begründeten Zukunftsperspektive
ab.
*)
LSAP (Luxemburgische Sozialistische Arbeiterpartei)
Parteipräsident, Vizepremierminister und Außenminister ist Jean Asselborn. Die
LSAP bildet zusammen
mit der CSV (Christliche Soziale Volkspartei) die Regierungskoalition unter Ministerpräsident Jean-Claude Junker.