Sozialisten und Sozialdemokraten
SPD-Delegation als Gäste beim LSAP-Bezirkskongress Osten am 23. Januar 2009 in Junglinster/Lux.

Luxemburgs Vizepremier- und Außenminister Jean Asselborn sah sich kürzlich in einer Gesprächsrunde im deutschen Fernsehen veranlasst, den erstaunt dreinblickenden Diskussionsteilnehmern verschmitzt zu erklären, dass es sich bei der Luxemburgischen Sozialistischen ArbeiterPartei (LSAP) eigentlich um eine luxemburgische Sozialdemokratische Partei handele.

Die Delegierten des Bezirkskongresses wählten den Sozialisten Nicolas Schmit, derzeit Delegierter Minister für auswärtige Angelegenheiten und Einwanderung im Ressort von Außenminister Asselborn, Die Kandidaten des Ostens für die Chamber, von rechts: Nicolas Schmit, Marc Pitzen, Sonja Zbinden,Tess Burton, Jérôme Laurent, Mike Hagen, Ben Scheuerals Spitzenkandidaten der LSAP Osten zusammen mit sechs weiteren Kandidatinnen und Kandidaten, Tess Burton aus Grevenmacher, Mike Hagen aus Junglinster, Jérôme Laurent aus Mertert/Wasserbillig, Marc Pitzen aus Bech, Ben Scheuer aus Echternach und Sonja Zbinden aus Mondorf, die sich am 7. Juni 2009 zur Wahl um Mandate für die luxemburgische Abgeordnetenkammer stellen werden.

Neu und erstmalig bei einem LSAP-Kongress (Parteitag) war die Anwesenheit deutscher Sozialdemokraten aus dem moselnahen Grenzgebiet. Alfons Maximini, Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtages und Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion Trier-Saarburg, Lothar Rommelfanger, SPD-Fraktionsvorsitzender im VG-Rat Konz und Bürgermeister der Ortsgemeinde Wiltingen sowie der Vorsitzende des SPD-Gemeindeverbandes Konz, Egon Sommer, waren der Einladung des LSAP-Bezirks Osten gefolgt und erfreuten sich eines außerordentlich freundschaftlichen Empfangs durch die luxemburgischen Kameraden; wobei man wissen muss, wie LSAP-Koordinator Erwin Kalmes erläuterte, dass die "Genossinnen und Genossen" der SPD sich bei der LSAP als "Kameradinnen und Kameraden" bezeichnen.
Die Einladung war anlässlich des Verkehrsgespräches von LSAP- und SPD-Vertretern am 27.11.2008 in Grevenmacher/Lux. ausgesprochen worden, bei dem auf deutscher Seite auch MdL Manfred Nink und Temmels' Ortsbürgermeister Joachim Mimler mitwirkten. Beide mussten  aus persönlichen und terminlichen Gründen leider auf die Teilnahme am LSAP-Kongress verzichten. Bei dem Treffen in Grevenmacher stand auch ein moselüberführendes Brückenprojekt in Rede.Gastgeber und Gäste, von links: Nicolas Schmit, Lothar Rommelfanger, Alfons Maximini, Egon Sommer, Alex Bodry, Erwin Kalmes

Neue Erfahrungen und die Bestätigung gleicher politischer Zielsetzungen empfanden die Gäste aus Deutschland nach dem ausführlichen Eingangsstatement durch Nicolas Schmit. Das Motto der LSAP "MIR PAKEN ET UN" ist inhaltlich deckungsgleich mit dem der SPD, das für die Bundestagswahl 2009 lautet: "SPD - Anpacken. Für unser Land". Unterschiedliche Auffassungen in der Familienpolitik, wie sie auch in Deutschland vorhanden sind, z.B.  die Herdprämie für nichtberufstätige Mütter, wurden durch eine eher süffisante  Randbemerkung Schmits deutlich, als er eine Einladungsveranstaltung konservativer luxemburgischer Kreise erwähnte, bei der die deutsche Journalistin und Buchautorin Eva Herman das auch in Luxemburg noch häufig vorhandene konservative Familienbild stärken sollte. Bekanntlich wurde Eva Herman wegen Äußerungen in ihrem Buch "Das Eva-Prinzip", in dem sie das nationalsozialistische Familienbild positiv hervorhob, von Norddeutschen Rundfunk "gefeuert".
 
Alex Bodry
, seit 2004 Präsident der LSAP, Abgeordeter der Chambre des Députés (Parlament, allgemein als Chamber bezeichnet) und Bürgermeister der Stadt Dudelange, beschrieb in seinem Grundsatzreferat die im Juni 2009 auslaufende Legislaturperiode. Keine großen Schwierigkeiten bereitete es den deutschen Gästen, den in Lëtzebuergesch gehalteten Reden zu folgen. Die gemeinsamen politischen Zielsetzungen, aber auch die Gegensätze, die sich aus der Regierungskoalition LSAP mit der konservativen CSV (Christlich Soziale Volkspartei) ergeben, wurden deutlich; ähnlich wie sie auch bei der schwarz-roten Koalition in Berlin alltäglich sind. Ein Ereignis für die deutschen Gäste im Allgemeinen und für den Verfasser dieser Seite (Egon Sommer) im Besonderen, war der Abschluss der Veranstaltung. Nicht das gemeinsame Singen, sondern die zum ersten Mal im Leben mitgesungene „L'Internationale“ in der französischen Ursprungsfassung war das Besondere für ihn.

 

L‘Internationale

Französischer Text
(Eugène Pottier, 1871)
Die 1. Strophe

Debout ! les damnés de la terre !
Debout ! les forçats de la faim !
La raison tonne en son cratère :
C’est l’éruption de la fin.
Du passé faisons table rase,
Foule esclave, debout ! debout !
Le monde va changer de base :
Nous ne sommes rien, soyons tout !

Refrain :
C’est la lutte finale:
Groupons-nous, et demain,
L’Internationale
Sera le genre humain

 

 

Von fröhlich bis besinnlich: LSAP-Präsident Alex Bodry (vorne) und Gäste beim Absingen der "L'Internationale"

Die Internationale

Deutscher Text
(Emil Luckhardt, 1910)

Die 1.Strophe

Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
die stets man noch zum Hungern zwingt!
Das Recht wie Glut im Kraterherde
nun mit Macht zum Durchbruch dringt.
Reinen Tisch macht mit dem Bedränger!
Heer der Sklaven, wache auf!
in Nichts zu sein, tragt es nicht länger
Alles zu werden, strömt zuhauf!

Refrain:
Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht.