Golfspielen um die Häuser
Eine Kommentierung von Egon Sommer, Projektbegleiter seit August 2000

Man könnte bei oberflächlicher Betrachtung des Ergebnisses der Gemeinderatssitzung in Tawern am 03.03.2010 und der im Zusammenhang damit erfolgten Amtlichen Bekanntmachung der Verbandsgemeinde Konz im Trierischen Volksfreund vom 06./07.2010 annehmen, dass nun der Durchbruch geschafft ist. Zielsetzung sei die Schaffung von Baurecht für einen Golfplatz mit touristischer Infrastruktur und Wohnbebauung, so der Wortlaut der öffentlichen Bekanntmachung des Ratsbeschlusses. Also alles wieder von vorne?
Nur so viel: Baurecht, das sich laut raumordnerischem Entscheid der oberen Landesplanungsbehörde nur für ein touristisches Projekt "Feriendorf mit Golfplatz" durchsetzen ließe, wird es auch nach dem neuen Aufstellungsbeschluss für Wohnungsbau auf den 93 Hektar Tawerner Gemeindegebietes auf dem Fellericher Plateau nicht geben. Hier wird die Genehmigungsbehörde Einhalt gebieten müssen.

Die Gemeinde Tawern, bzw. deren CDU-Ratmehrheit, offenbart nun ihre bisher hintergründigen Absichten: Den Bau eines Satellitendorfes mit 400 Häusern auf dem Fellericher Plateau außerhalb der Ortslage Tawern. Man muss nochmals daran erinnern, was dem Mentor des Golfparkprojektes - dem früheren Konzer Verbandsbürgermeister Manns - hierzu eingefallen war: „[Es]... wird vorrangig angestrebt, die Grundstücke bzw. Gebäude an Luxemburger Bürger und finanzkräftige Deutsche Bürger zu veräußern“

Um dem Projekt den touristischen Anstrich zu verleihen, wird gegebenenfalls das Golfspielen um die Häuser zugelassen. Ballfangnetze vor den Fenstern der vorgesehenen Wohnhäuser werden gegebenenfalls das Schlimmste verhüten. Eine Alternative wäre Minigolf.
Als "vernagelt" darf man deshalb die Protagonisten des spekulativen Wohnungsbauvorhabens ansehen, die außerhalb jeglicher Rechtskonformität denken und handeln (wollen). Rätselhaft bleibt bei alledem, wer den Tawerner CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Müller in der letzten Gemeinderatssitzung zu der Aussage verleitete: "Wir sind nicht nur willens, sondern auch verpflichtet, den Projektentwicklungsvertrag zu erfüllen". So stand es jedenfalls am 06.02.2010 in der Zeitung. Dass es sich hierbei um eine vertragliche Verpflichtung handeln soll, stützt sich allein auf Glauben; frei nach Nietzsche: "Glaube heißt nicht-wissen-wollen, was wahr ist", denn der geheimnisvolle Vertrag besteht seit 31.03.2008(!) nicht mehr.

Im selben Pressebericht über die Sitzung erschien als einziger Realist in der CDU-Truppe Ratsmitglied Walter Weber, der meinte: "Ohne das Zutun Temmels' wird es keine Bebauung auf dem Fellericher Plateau geben".

Es erstaunt auch die eigenartige Interpretation der TV-Berichterstattung, wenn dort geschrieben wird, dass die Feststellungen des CDU-Ratsmitgliedes "Befürchtungen" der SPD entkräfteten, dass nur Häuser auf dem Fellericher Plateau entstehen könnten. Nach so langer Zeit dürften die wahren Hintergründe auch dem TV ausreichend genug bekannt sein, um nicht mehr derart arglos zu berichten. Warum sollte die SPD etwas befürchten? Die SPD in Tawern hat von Anfang an nach Recht und Ordnung und gegen die spekulativen Bestrebungen Dritter entschieden, die letztlich Tawern und seinen Bürgern nur Nachteiliges beschert hätten.

Es müsste sich mittlerweile rundgesprochen haben, dass
a) die Gemeinde Temmels der Verlängerung des am 31.03.2008 beendeten Projektentwicklungsvertrages nicht mehr zugestimmt hat,
b) die Gemeinde Temmels einen neuen Aufstellungsbeschluss für den Golfplatz auf ihrem Gebiet nicht mehr gefasst hat und
c) der Planungsverband Golfpark durch Verfügung des Ministerrates des Landes Rheinland-Pfalz aufgelöst wurde.

Trotz alledem darf gewisses Verständnis für die luxemburgischen Investoren aufgebracht werden, die sich ein derart günstiges Baulandangebot nicht entgehen lassen wollten.

Zum offenbar nicht enden wollenden Golfparkthema verweigerte der Trierische Volksfreund kürzlich die Veröffentlichung einer Stellungnahme mit der Begründung, der Autor sei ja Mitglied des Verbandsgemeinderates. Wir haben sie deshalb hier noch mal verlinkt. Nichtveröffentlichte Leserzuschrift zur Sitzung des Ortsgemeinderates Tawern am 03.02.2010.

Für neu hinzugekommene und mit den Zusammenhängen nicht oder nur wenig befasste Besucher der Homepage bieten wir auf folgendem Link eine umfassende Darstellung an. Sie beschreibt die seit 10 Jahren andauernden verbissenen Kämpfe, ein rechtswidriges Projekt durchzusetzen. Die Golfparkgeschichte