Golfpark Tawern/Temmels - Wie eine
luxemburgische Zeitung mit dem Scheitern umgeht
Eine etwas andere Betrachtung von Egon Sommer, Vorsitzender des SPD-Gemeindeverbandes
Konz
Ehe die einfachen Gemüter in den Gemeinderäten Tawern und Temmels
merken, was was wir wollen, stehen da oben (gemeint ist das Fellericher Plateau)
die ersten Häuser; dann ist der Sack zu.
So mögen die Hauptdarsteller des
kommunalpolitischen Sündenfalles namens Golfpark Tawern/Temmels sich
das gedacht haben, als sie den schönsten Landstrich um Tawern und Temmels für ein
spekulatives Wohnungsbauprojekt aufzureißen beabsichtigten. Beinahe wäre das
auch gelungen, wenn nicht der erste abstruse Bebauungsplan jeden Gedanken
an ein Feriendorf ersticken musste und so frühzeitig den Verdacht bis hin zur Gewissheit
nährte, dass hier in großem Stil rechtswidrig Wohnungsbau statt eines touristischen Projektes
betrieben werden sollte. Dieser erste Bebauungsplan war so dreist entworfen, dass sogar die
dem Projekt wohl gesonnene Kreisverwaltung Trier-Saarburg ihr Veto einlegte. Die zunächst
arglosen aber dennoch
misstrauischen SPD-Gemeinderäte in beiden Gemeinden schlugen Alarm; die CDU-Räte
duckten sich ab und schwiegen. Wie sich später herausstellen sollte, wussten
auch sie nichts von den Machenschaften ihrer Vorleute, die im Verein mit den
luxemburgischen Investoren ihre Weichenstellung durchzusetzen beabsichtigten. Wichtig war ja auch nur, dass sie an der
richtigen Stelle die Hand hoben. Mittels der CDU-Mehrheiten im Tawerner Rat
und im Verbandsgemeinderat Konz wäre das "Ding" auch gelungen, wenn, ja, wenn da nicht die
Gallier von der Mosel
und deren verfassungsmäßig verankerte Planungshoheit zu überwinden gewesen wäre.
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Wenn Lehrer oder Lehrerinnen in der Schule ein Diktat zur Überprüfung der
Rechtschreibefähigkeiten schreiben lassen, dann ist der Inhalt Nebensache;
gezählt werden die Fehler. Ein Journalist, der kritik- und ahnungslos drauf los
schreibt, wird nicht nach den Rechtschreibfehlern bewertet, sondern am Inhalt.
Was der Tageblattredakteur Helmut Wyrwich zu Papier gebracht hat, wollen wir hier
nur einer groben Analyse unterziehen.
Der rheinland-pfälzische Innenminister
Karl-Peter Bruch habe Einfluss genommen?
Unübertreffliche Ahnungslosigkeit und Torheit gleichzeitig. Die dem Innenminister unterstellte oberste Landesplanungsbehörde
hatte nämlich den Gemeinden die Möglichkeit für Wohnungsbau dahingehend eingeräumt,
dass für die Folgen des geänderten Projektes zwischen den beteiligten
Gemeinden Tawern und Temmels Übereinstimmung gefunden werden musste. Das Ermessen der nachgeordneten kommunalen Behörden
(VG-Verwaltung Konz und Kreisverwaltung Trier-Saarburg) endete bezüglich der
Umsetzung unzweifelhaft an der Planungshoheit der Gemeinden. Die weitere
Argumentation, dass sich ein wirtschaftlicher Vorteil für die Kommunen ergeben
müsse, darf wegen eines bestellten Gutachtens als reine Makulatur bezeichnet
werden. Eine von der
Wohnungsbaulobby bestellte Expertise bescheinigte dann auch jährlich wundersame 27(!) Millionen Euro
Umsatz, wogegen das Projekt Feriendorf nur läppische 2,7 Millionen einspielen
sollte. Letztendlich war der obersten Landesplanungsbehörde die hoheitliche Willensbildung der Kommunen
"heilig"; folglich behielt jedoch der im Dezember 2003 erlassene
raumordnerische Entscheid seine volle Gültigkeit als Weichenstellung für das
leider verfehlte touristische Gesamtkonzept. Wenn schon Einflussnahme, dann hat
Bruchs Ministerium eher den Wohnungsbauern einen Pfad eröffnet.
Schloss und Park Meysemburg
Die Hintergründe für das Scheitern eines ähnlichen Projektes der
luxemburgischen Investoren in ihrem Heimatland im Jahr 2004 werden natürlich
tunlichst verschwiegen; es scheiterte dort am Protest der luxemburgischen Bürger und
Umweltverbände. Nichts
einfacher als das; also rüber über die Mosel, dort bot ein rühriger und
befreundeter Verbandsbürgermeister ein ganzes Hochplateau zum Bebauen an. Man musste nur noch den Weg finden, Baurecht im Außenbereich
zu schaffen. (Siehe 1. Absatz auf dieser Seite) Das wird schon gehen; mit Geld
ist bei den "Preissen" (spöttische lux. Bezeichnung für die Deutschen) wie
man so spricht, immer
was zu machen.
Schilda, Filz und undurchsichtige
Verbindungen
Weder Schilda noch Filz, aber zugegebenermaßen alte Seilschaften der
Nichtregierungspartei in Rheinland-Pfalz hätten es beinahe geschafft, zwei
Quadratkilometer schönster Landschaft als Gelddruckmaschine zu verhökern. 18
Millionen Euro sollen auf den Konten "herumliegen"? Wie das? Bei zwei Millionen
Quadratmetern errechnen sich bei drei Euro pro Quadratmeter sechs Millionen Euro, wenn die gesamte
Fläche denn zum Kauf anstünde. Hat sich da wer verplappert, oder ist es nur ein
Druckfehler? Es erscheint jetzt müßig, dem weiter nachzugehen.
Ein schlechtes Geschäft für die Investoren?
Was ist ein schlechtes Geschäft für die Investoren? So wie es beabsichtigt war, wäre
es eventuell eine glänzende Rendite für die Investoren geworden, wenn die
Nachfrage nach Bauplätzen auch eingetreten wäre. Kritische Bürger sehen rüber
zum nahe gelegenen Mammutbaugebiet "Auf Mont" bei Wincheringen. Dass zwei Jahre nach der aufwendigen Erschließung
durch einen isländischen Investors von ca. 300 Baustellen
noch keine 30 Häuser auf der Moselhöhe bewohnt sind, müsste die Alarmglocken
erklingen lassen. Wie einer Pressemeldung zu entnehmen war, soll den früheren
Wincheringer Grundstückseigentümern das Angebot gemacht worden sein, die Baustellen zur
Selbstvermarktung zurückzukaufen.
Ohne Einschränkung gilt: Bei einem Preis für Rohbauland von drei Euro pro
Quadratmeter und einem späteren spekulativem Baustellenpreis von ca. 150 bis 250
Euro hätten ausschließlich die Grundstückseigentümer des Fellericher
Plateaus ein schlechtes
Geschäft gemacht.
Gemeinde Tawern von langfristigen
Aussichten überzeugt?
Welche Aussichten?
Tawern im "Speckgürtel von Luxemburg"? Das ist mal eine ganz neue Sicht.
Aussichten auf Steuereinnahmen? Steuereinnahmen von in Luxemburg beschäftigen
Bewohnern? Fehlanzeige! Arbeitsplätze? Bei ca. 200 bis 220 Arbeitsplätzen, wie
es die Protagonisten in die Gutachten schreiben ließen, hätte man ernsthaft
darüber nachdenken können. "Ein wenig Eigenständigkeit war in den Augen von
Bürgermeister Josef Weyrich mit dem Projekt auf einmal möglich", so die
Zeitung. Blauäugigkeit nennen wir das, weil die Kosten und Belastungen, die auf
Tawern zugekommen wären, vollkommen ausgeblendet wurden. Eine bereits am
30.11.2007 von der SPD-Fraktion im Ortsgemeinderat Tawern initiierte
Sachverständigenanhörung
hat die Problematik schonungslos aufgezeigt.
Die hässliche Vermutung
"Ob hier wohl die SPD ihre Verbindungen über ein
Gemeinderatsmitglied aus Tawern, das in einem beruflichen Zusammenhang mit einem
SPD-Landtagsabgeordneten steht, spielen ließe, heißt eine – zugegeben hässliche
– Vermutung aus dem Umfeld des Projektes."
Dieser alberne und verworrene Satz setzt dem "300-Millionen-Projektbericht"
die Kroone auf. Sollte das besagte Gemeinderatsmitglied, SPD-Fraktionsvorsitzende im Ortsgemeinderat
Tawern und beruflich Leiterin des Abgeordnetenbüros Alfons Maximini, MdL, die
unglaubliche Position der einflussreichen Hofdame mit Einfluss am Hof des
Ministers sein, die gerade mal so 300 Millionen Euro Haben oder
Nichthaben einflüstert? Mir fällt leider kein passender Witz zu dem
Verdachtsmoment des Pressepoeten ein, deshalb soll es hiermit sein Bewenden
haben.
Welche Vermutung darf man des Weiteren herleiten, wenn dem "tageblatt"
angeblich ein Protokoll des Temmelser Rates mit Details aus der
nichtöffentlichen Sitzung vorliegt. Dass der anwesende CDU-Politiker für das
Projekt gestimmt haben soll und die SPD-Räte dagegen, ist nun wirklich kein
Geheimnisverrat. Soviel zur beliebten Nichtöffentlichkeit von Ratssitzungen.
Alle verfügbaren Rechtsmittel sollen eingelegt
werden
Soll heißen, das in Rheinland-Pfalz geltende Recht, bis hin zur Verfassung, wird
ausprobiert. Da stellt sich schon die Frage, wie Feidt und Co. von
"plateau27" von ihren Anwälten beraten werden. Wie gehen sie beispielsweise
mit den Begründungen der Verbandsgemeinde Konz und des Kreisrechtsausschusses um, mit denen die Bauanträge ablehnend beschieden
wurden? Wobei man es als besondere Schusseligkeit bezeichnen darf, wenn
einerseits der Kreisrechtsausschuss einen Widerspruch aus rechtlichen Gründen
zurückweisen muss und gleichzeitig der Vertreter des Behördenleiters öffentlich bekennt, "Der Kreis sieht
das Projekt als große Chance für die Region. Es ist daher zu bedauern, dass der
Kreisrechtsausschuss so entscheiden musste". Der Trierische Volksfreund
hatte darüber so am 28.01.2011 berichtet.
Wie erklären die Anwälte ihren luxemburgischen Mandanten u.a. die Tatsache,
dass der alles begründende Projektentwicklungsvertrag zwischen Investoren und
den beteiligten Gemeinden aus dem Jahre 2005 seit dem 31.03.2008
(!) ausgelaufen ist. Bekanntlich hat die Ortsgemeinde Temmels nach zweimaliger
Verlängerung einer weiteren nicht mehr zugestimmt. Statt, wie es der
Vertrag forderte, die bis dahin getätigten Grundstücksgeschäfte rückabzuwickeln,
haben die Investoren im Alleingang mit den verkaufswilligen
Grundstückseigentümern private Vereinbarungen bis zum 31.03.2011 getroffen. Mit
Speck fängt man Mäuse; vielleicht wird nach dem 31. März wieder mal verlängert.
Da Geld aber keine Rolle zu spielen scheint, wird man zur Überwindung der
Planungshoheit der Gemeinde Temmels auch noch die
rheinland-pfälzische Verwaltungsgerichtsbarkeit bemühen, sofern diese die Klage
überhaupt annimmt.
[...] "Wie Sie daraus ersehen können, haben die zuständigen Behörden sich seit Jahren intensiv mit dem Projekt und auch der zwischenzeitlichen Konzeptionsänderung befasst. Ich habe keine Veranlassung, die von den zuständigen Landesplanungsbehörden getroffenen Entscheidungen zu kritisieren. Es ist jetzt Aufgabe der Verbandsgemeinde Konz und den Ortsgemeinden, im Rahmen ihrer Bauleitplanung und ihrer Planungshoheit die Vorgaben der Landesplanungsbehörden fachgerecht umzusetzen. Ich hoffe, damit Ihre Zweifel am korrekten Verhalten der Landesplanungsbehörden entkräftet zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen gez. Kurt Beck."
Meine anfänglichen Zweifel sind, wenn auch mit Verzögerung, entkräftet.